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Titre:

L'EXTRAORDINAIRE DESTIN DE MADAME BROUETTE

Titre allemand:DAS UNGEWÖHNLICHE SCHICKSAL DER MADAME BROUETTE
Pays de production:Senegal; Kanada; Frankreich 2003
Format:35 mm
Couleur:Couleur
Langue:OF m. dt. UT
Durée:104 Minutes
Cycle:Jenseits von Europa VIII


Réalisateur:Absa, Moussa Sene
Scénario:Absa, Moussa Sene
 Desjardins, Gilles
 Gilaizeau, Claude
Caméra:Bouhon, Jean-Jacques
Montage:Roy-Décarie, Matthieu
Musique:Diabaté, Maadu
Son:Vermette, Raymond
  
Acteurs:Ba, Aboubacar Sadikh
 Niang, Rokhaya
 Seck, Ndeye Seneba
 Sy, Kadiatou
Producteur:Absa, Moussa Sene
 Gilaizeau, Claude
Sociétié de production:Les Productions La Fête Inc.
 Les Productions de la Lanterne
 MSA Productions




Remarque


Moussa Sene Absa zeigt in seinem Film den Befreiungskampf der Frau, ein hochaktuelles Thema, denn immer noch verhindern Polygamie und patriarchalisch geprägte Gesellschaftsstrukturen die Emanzipation afrikanischer Frauen. Die Filmhandlung wird  stellenweise als buntes, schrilles Spektakel inszeniert, in der auch Musik und Humor nicht fehlen.

Berlin International Film Festival, 2003: Silberner Bär für beste Musik
FESPACO 2003: Poitou Charentes Award in Feature Film Category
Paris Film Festival 2003: Bester Schauspieler, Spezial Preis der Jury


Recommendation, expérience, matériel


Kritik arte tv: Wenn sich ein männlicher afrikanischer Regisseur für den Befreiungskampf der Frauen in seinem Heimatland Senegal stark macht, dann ist das ein hochpolitisches, auch die fragile Gemeinschaft von Moslems und Christen und ihre unterschiedlichen Wertesysteme betreffendes Anliegen. Immer noch verhindern Polygamie, staatliche Willkür und patriarchalisch geprägte Rollenmodelle die Emanzipation der afrikanischen Frau. Mati, genannt „"Madame Brouette" ist dagegen eine besonders stolze und zugleich erotische Repräsentantin, die nicht mit melancholischer Resignation, sondern mit Kampfgeist und Witz auf die kleinen täglichen Demütigungen und Ungerechtigkeiten reagiert, mit der eine alleinerziehende, geschiedene Frau täglich konfrontiert wird. Regisseur Moussa Sene Absa vermag es dennoch, auf den Märkten von Dakar viel Humor und Hoffnung zu entdecken. Er inszeniert den Geschlechterkampf als schrilles, buntes Schimpf-, Tanz- und Boxkampf-Duell, in dem sich die eitel-korrupten Männer allzu viele charakterliche und intellektuelle Blößen leisten, als dass man den Glauben an eine gerechtere Welt verlieren müsste. Wenn Madame Brouette den anmaßend-lächerlichen Naago in Grund und Boden schimpft und dieser ebenso brutal zurückbellt, dann erinnert das an episches, Brecht’sches Sprechtheater. Um das heimische Publikum zu erreichen, inszeniert Regisseur Moussa Sene Absa entlang bewährter Stilmittel des afrikanischen Erzählkanons, in dem ein Chor, viel Musik und drastische Humoreinlagen nicht fehlen dürfen. Und es gelingt ihm gleichzeitig an vielen Stellen ein kleines Wunder, wenn seine Charaktere mit ihrer unverstellten und selbstironisch-lebensbejahenden Spielfreude die Herzen des Festivalpublikums erreichen.

Kritik 2 arte tv: Moussa Sene Absa gilt als einer der talentiertesten Filmemacher des Senegal und ist gleichermaßen auch als Maler anerkannt. Mit "Madame Brouette" hat er seinen filmischen Stil noch weiter verfeinert, der sich durch eine einfache, gleichzeitig aber höchst ästhetische Bildsprache auszeichnet, die gleich in der farbenprächtigen, vom Gesang des Chores begleiteten Anfangsszene des Films zur Geltung kommt. Trotz der fast etwas naiv wirkenden Herangehensweise des Films lotet Sene Absa hier mit der Beschreibung der Geschlechterbeziehungen in seinem Heimatland ein diffiziles Thema aus. Er zeichnet das Porträt von Mati, einer mit ihrer kleinen Tochter Ndèye allein lebenden geschiedenen Frau. Von Männern will Mati nichts mehr wissen. Sie hat Ndaxté, eine junge Frau, die von ihrem Mann ausgenutzt und geschlagen wurde, unter ihre Fittiche genommen. Aber dann lernt Mati den Polizisten Naago kennen und erliegt seinem Charme. Sie glaubt, in ihm den Mann ihres Lebens gefunden zu haben, doch erweist er sich bald als ein korrupter, verlogener Weiberheld und Sexbesessener.
Moussa Sene Absa ist vor allem ein begnadeter Geschichtenerzähler, der darauf verzichtet, die Handlung seines Films durch psychologisierende Exkurse mit unnötigem Ballast zu überfrachten. Auch wenn es ihm vorrangig um das Schicksal von Mati geht, verurteilt er doch Naago nicht - gekonnt hält er die Bedeutung der beiden Charaktere für seinem Film im Gleichgewicht. Dazu tragen auch die immer wieder in das Geschehen eingreifenden zahlreichen Nebenrollen bei, die vom Regisseur ebenfalls mit großer Liebe zum Detail in die Handlung einbezogen werden. Es entsteht so der Eindruck einer sehr großzügigen Offenheit, dem auch die Einblicke in die gelegentlich brüske, manchmal dramatische Realität des Alltaglebens vieler senegalesischer Frauen, wie sie im Film dargestellt wird, keinen Abbruch tun. Ausbalanciert mit einem Schuss Humor bekommt "Madame Brouette" so eine ganz eigene Atmosphäre, die von den geschilderten Widersprüchen lebt und die menschlichen Aspekte dieses Films perfekt zur Geltung bringt.
  • Filmstill
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