Bambako - Eine afrikanische Kritik der Globalisierung

„Das wahre Elend Afrikas ist nicht seine Armut. Der Kontinent ist eher ein Opfer seines Reichtums geworden.“

(Zitat aus dem Film)

Wer die Folgen der Globalisierung für Afrika thematisieren will, dem sei der Film Bamako empfohlen: 

Credits und Inhalt:


Arbeiter und Bauern als Zeugen der Anklage

Als Zeugen der Anklage treten malische Arbeiter und Bauern auf, ein ehemaliger Lehrer und eine Schriftstellerin, afrikanische Politiker und Juristinnen. 
Derweil geht der Alltag in den einfachen Lehmbauten rund um den Gerichts-Hof wie gewohnt weiter:  Kinder spielen zwischen streunenden Hunden, Frauen färben Tücher, ein Mann liegt im Sterben. Nur in wenigen Sequenzen verlässt der Filmemacher mit seiner Kamera den Ort des Tribunals, etwa um die Nachtclub-Sängerin Méle bei ihrer Arbeit zu zeigen, dem verzweifelten Fluchtversuch Madous und anderer junger Männer durch die Sahara Richtung Europa zu folgen oder um unter dem Titel „Tod in Timbuktu“ – als Fernsehübertragung getarnt – eine bitterböse Satire auf US-amerikanische Western einzubauen und damit die Dominanz westlicher Bilder und Werte in den afrikanischen Medien anzuprangern.

Kommentar des Verleihers (Trigon) zum Film:
„Die Vertrautheit mit den örtlichen Gegebenheiten, aber auch die Tatsache, dass Laien (die Richter, die sich selber spielen) und Profidarsteller, internationale Stars wie Denny Glover und Familienmitglieder Sissakos gemeinsam vor der Kamera stehen, verleihen dem irdischen Weltgericht eine besondere Authentizität. Dem dramaturgischen Ansinnen des Regisseurs, Verlierer und Gewinner der herrschenden Weltordnung in Afrika, der Wiege der Menschheit, gemeinsam an einen Tisch zu zwingen, entspricht ein bewusster Einsatz der Mittel. Während der Prozess in dokumentarischem Gestus festgehalten wird, folgt das Geschehen außerhalb der Hofmauern den Regeln einer Inszenierung.“ (trigon-film magazin, nr. 35)

Eine afrikanische Perspektive zur Weltwirtschaft
Mit der Präsentation von Bamako startet FilmInitiativ Köln 2007 eine Reihe unter dem Titel Afrikanische Perspektiven. Dabei wurden in loser Folge mit Hilfe von Spielfilmen und Dokumentationen afrikanische Positionen zu aktuellen und historischen Debatten vorgestellt werden. 
Ein Anlass dafür war, dass im Vorfeld des Treffens der Regierungschefs der acht mächtigsten Industrienationen vom 6. – 8. Juni 2007 in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) zwar eine breite Kritik an der Politik der „G8-Staaten“ hierzulande zu hören war und zahlreiche Initiativen zu Protesten aufriefen, aber Stimmen von afrikanischen KritikerInnen dabei kaum eine Rolle spielten.

Informationen zu Abderrahmane Sissako:

Abderrahmane Sissako zu seinem Spielfilm "Bamako":
"Der Ursprung dieses Films ist eine Ungerechtigkeit: Als die Vereinbarungen von Bretton Woods unterzeichnet wurden, schuf man die Weltbank und den Weltwährungsfond IWF, um die Welt besser zu bewirtschaften und Katastrophen zu vermeiden. Man könnte also sagen, da steckte eine durchaus lobenswerte Absicht dahinter. Die Ungerechtigkeit liegt darin, dass... diese Institutionen (trotz ihrer katastrophalen Resultate) nicht anfechtbar sind, weil es keinerlei übergeordnete Struktur gibt, der gegenüber sie Rechenschaft ablegen müssten. Wenn also eine unanfechtbare Institution Entscheidungen fällt, die für einen Grossteil der Menschheit relevant sind, dann betrifft dies ja weit mehr als nur Afrika: wenn sie entscheidet, was gut ist und was schlecht ist, was man tun muss und was nicht. Und wenn man nach fünf Jahrzehnten feststellt, dass das Resultat katastrophal ist... Warum soll sich der einfache Bürger, eben der, der in meinem Hof lebt, nicht beschweren können? Das ist derjenige, in dessen Namen sich der Staat verschuldet, für den der Staat entscheidet, dass sein Bruder nicht Arzt oder Lehrer sein kann, weil das zu teuer wäre..."

"Für Europa besteht Afrika vor allem aus Zahlen. Man weiß da genau, wie viele Menschen an AIDS sterben und in welchem Land, man weiß, wie viele in Kriegen umgekommen sind usw.. Da existiert so etwas wie ein Buchhaltungsreflex, der es erlaubt, das Wichtigste zu vergessen: Das wirkliche Drama hier in Afrika sind nicht jene, die sterben, es sind die, die bleiben und die enttäuscht sind, die jegliche Hoffnung verloren haben. Ein hoffnungsloser Mensch, das ist schrecklich. Aber in Afrika gibt es (darüber) keinerlei Buchhaltung, auch wenn man davon ausgehen muss, dass 300 Millionen Menschen die Hoffnung verloren haben. Fragt sich jemand, weshalb?"

(Zitiert nach: trigon-film magazin, nr. 35)

Stimmen zum Film

"Einer der ungewöhnlichsten, besten Filme dieses Jahres: Bamako von Abderrahmane Sissako beobachtet ein denkwürdiges Gerichtsdrama in und über Afrika." (Standard, Wien)

"Amüsant, und ernsthaft in einem: Ein Meisterwerk!" (Matin Dimanche, Genf)

"Einen filmpolitisch dringlicheren und poetischeren Film wird man so schnell nicht finden." (Tages-Anzeiger, Zürich)

"Auf brillante Weise zeigt Regisseur Abderrahmane Sissako im Kontrast von Gerichtsverhandlung und Alltagsleben, wie die nördliche Welt mit der südlichen umgeht." (Africavenir, Luanda/Berlin)

"Sissakos neueste Arbeit ist ein so großartiges, propagandistisches Lehrstück, ein so intelligenter, politischer, begeisternder Film, wie er im gegenwärtigen Kino sehr, sehr selten geworden ist." (Stadtkino, Wien)


"Bamako"





"Bamako"