Biografie Esther Mujawayo-Keiner

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Esther Mujawayo-Keiner, geboren 1958 in Ruanda, hat während des Genozids 1994, in dem in nur 100 Tagen eine Million Menschen getötet wurden, mehr als 200 Verwandte verloren. Ihr Mann wurde ermordet, sie selbst konnte sich und ihre drei Töchter retten. Sie ist Soziologin und arbeitete als stellvertretende Landesrepräsentantin für Ruanda, Burundi und Ostkongo bei der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam. Nach dem Genozid hielt sie Vorträge auf vielen internationalen Konferenzen und arbeitete an TV-Dokumentationen mit.
Esther Mujawayo-Keiner lebt heute in Deutschland und behandelt als Psychotherapeutin traumatisierte Flüchtlinge - vor allem aus Afrika - im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. Mit 50 Frauen gründete sie 1995 die Gruppe «Avega» («Vereinigung der Witwen des April-Völkermords»), die inzwischen mehr als 35.000 Opfer betreut.
In ihrem Buch «Ein Leben mehr» (2005) verbindet sie ihre eigene Geschichte mit der Schilderung des kulturellen Umfelds, einem persönlichen Bericht über den Genozid und ihren Erfahrungen als Therapeutin.
In dem Buch «Auf der Suche nach Stephanie» (2007) erzählt sie von ihrer Suche nach Spuren von ihrer Schwester, die seit dem Völkermord in Ruanda verschollen ist. Sie erfährt dabei, dass viele der Toten einfach verscharrt und ihre Mörder nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Trotzdem heißt es in ihrem Buch: «Heute habe ich fast wieder Frieden geschlossen mit den Bougainvilleen. Ich war lange Zeit wütend auf sie, denn nach dem Genozid im April blühten sie überall, als sei nichts gewesen, das nahm ich ihnen übel. Nach einem Genozid glaubst du, Blumen werden nie wieder blühen, der See wird nie wieder so still daliegen... Du glaubst, Schönheit dürfe es nicht mehr geben.»
Am 5. März 2009 wurde Esther Mujawayo-Keiner in Wien mit dem «World Social Award» für ihr humanitäres Engagement ausgezeichnet.



Filmografie (Auswahl) zu Esther Mujawayo-Keiner