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Titel:

MAJUBS REISE

Produktionsland: Deutschland 2013
Farbe:Farbe und s/w
Sprachfassung: OF dt.
Länge:48 Minuten


  



Inhalt



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Die Biografie von Bayume Mohamed Husen (1904-1944) macht wie kaum eine andere die Komplexität und Ambivalenz der deutsch-tansanischen kolonialen Begegnung greifbar. Husen stand als Kind im Dienst der Deutschen Schutztruppe in „Deutsch-Ostafrika“ (heute Tansania). 1929 migrierte er nach Deutschland, wo er sich in der Gastronomie, als Sprachlektor und Schauspieler - u.a. in Filmen mit Hans Albers und Zarah Leander - verdingte. In Berlin gründete er eine Familie mit einer deutschen Frau - wegen „Rassenschande“ wurde er 1941 ins KZ Sachsenhausen interniert, wo er 1944 starb. Die Kölner Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst hat intensiv zu den Lebenswegen von AfrikanerInnen gearbeitet, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nach Deutschland migrierten. 2007 legte sie eine Biografie von Mohamed Husen vor. Sie erinnert darin nicht nur an die eindrückliche Lebensgeschichte Husens, sondern stellt auch methodische Fragen: Wie kann man eine afrikanische Biografie einerseits aus dem "kolonialen Archiv" und andererseits durch zeitgenössische Oral-History-Forschung rekonstruieren? Diese Frage greift auch die Filmemacherin Eva Knopf in ihrem Film MAHJUBS REISE von 2013 auf. Ihr Ausgangspunkt sind jedoch weniger historische Dokumente, sondern sie befragt vor allem das visuelle Archiv wie etwa die populären deutschen Filme, in denen die Figur Mahjubs sichtbar wird bzw. erstaunlich unsichtbar bleibt. Der Abend stellt zwei biografische Annäherungen vor, die nicht nur unterschiedliche mediale Zugänge eröffnen, sondern auch ganz allgemein die Schwierigkeit thematisieren, afrikanische Lebenswege in der Kolonialzeit und im Nationalsozialismus nachzuzeichnen.