Credits

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Titel:

DIE KROKODILE DER FAMILIE WANDAOGO

Produktionsland: Deutschland 2003
Farbe:Farbe
Sprachfassung: OF m. UT
Länge:60 Minuten
Filmreihe:JvE Special 2003


Regie:Wandaogo, Britta
Drehbuch:Wandaogo, Britta
Kamera:Schwabe, Oliver
 Wandaogo, Britta
Schnitt:Marten, Gesa
 Wandaogo, Britta
Musik:Diallo, Rahime
Ton:Busch, Tilo
  
Produzent:Schwering, Herbert
Produktionsfirma:Icon Film
  Wandaogo Production



Inhalt



©
Einmal im Jahr reist die Kölnerin Britta Wandaogo („Liebe Schwarz/Weiߓ) mit ihrem afrikanischen Ehemann Salif und Tochter Kaddi in das Heimatdorf ihres Mannes in Burkina Faso. Für kurze Zeit werden Alltag und Familienleben mit der afrikanischen Großfamilie geteilt. Die Freude, sich wieder zu sehen, ist jedes Mal groß. Mit den Kindern des Dorfes sucht Kaddi nach den Krokodilen, den Glücksbringern der Wandaogos. Doch mit der Rückkehr zu Salifs Wurzeln verstärken sich die Konflikte zwischen den Eltern. Britta beschließt, das nächste Mal ohne ihren Mann nach Afrika zu fahren.


Bemerkung zum Film


Die Regisseurin Britta Wandaogo hat sich bereits mit mehreren preisgekrönten Filmen einen Namen gemacht, in denen sie dem Verhältnis der Geschlechter in interkulturellen Beziehungen nachspürt. Mit einer kleinen Mini-DV-Kamera begleitet sie ihre Protagonisten, ihre Forschungsobjekte, buchstäblich hautnah und sie vergisst auch nicht, ihre eigene, subjektive Sicht mit einzubringen. Bei diesem Film "Die Krokodile der Familie Wandaogo" wäre das auch gar nicht anders denkbar. Schließlich steht die Filmemacherin selbst im Zentrum der Auseinandersetzungen mit ihrem Mann Salif.

Regieanmerkungen

“Die Wandaogos waren einst eine Königsfamilie in Burkina Faso. Schon immer gelten die Krokodile als Schutzherren und Glücksbringer der Familie. Auch wenn sich das Familienleben ständig ändert, sind die Krokodile geblieben. Für die “Alten" am Krokodilsee sind die Opfer-zeremonien Teil ihres Lebens und Würdigung der Krokodile. "Die Krokodile, das sind unser Ur-Urgroßväter.....", sagen sie. Mein Mann Salif versucht als ältester Sohn den Verpflichtungen seiner Familie zu entsprechen. So verschieden seine Erinnerungen an die Familiensage sind, so beharrlich versucht er, den Traditionen gerecht zu werden. Mit unserer Tochter Kaddi reisen wir jeden Winter auf den Familienhof und sind für ein paar Wochen Teil der Großfamilie, die den Kampf ums Überleben jeden Tag neu zu bestehen hat. Für unsere Kölner Kleinfamilienidylle bedeutet das Aufeinandertreffen von Fremdem und Vertrautem auf jeder Reise eine neue Herausforderung. Komplikationen und Hindernisse sind vorprogrammiert. Nicht nur mein Mann, hin und her gerissen zwischen deutscher und burkinischer Familie, verändert sich total. Unsere Tochter wird komplizierter, das Familienleben funktioniert auf anderer Frequenz. Afrika ist für Europäer kein Spaß. Übersprungshandlungen strapazieren die Toleranz. Jedes mal frage ich mich: Warum bin ich wieder hier? Warum kann mein Mann seine “kleine“ Familie nicht in Afrika leben? Warum denken wir so gegeneinander?

Warum, warum, warum? Eins ist sicher: Wenn du westafrikanischem Boden betrittst, wird alles anders kommen, als erwartet. Die Lebensart der Europäer findet sich überall wieder. Die Jüngsten stehen dazwischen, beobachten und nehmen sich von allem das Schönste. Niemand kümmert es, solange alles halbwegs funktioniert. Wenn du dich einem Menschen nähern willst, näherst du dich auch dir selbst. Genauso kann ein Mensch vor der Kamera nur soviel von sich zeigen, wie du mit deiner eigenen Präsenz auch zulässt. In unserer europäischen Welt bedeutet Sehen gleich Erkenntnis und gilt Verstehen automatisch als Wissen. In Afrika ist das ein Irrtum. Wenn ein Europäer davon spricht, was er sieht, redet ein Afrikaner von dem, was er nicht sieht. Mit jeder Reise nach Burkina Faso nähere ich mich dem Alltag der Königskinder und dem Mythos der Krokodile.“

Britta Wandaogo, Köln, 2003


Borderlands International Film Festival Bozen 2003: Erster Preis
Deutscher Kurzfilmpreis / Sonderformate 2003

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